Notizen
Schreibe einen Kommentar

Loving Vincent

Gestern habe ich „Loving Vincent“ gesehen. Ich hatte mich darauf gefreut, weil ich den Maler sehr mag und das Projekt, in dem über 100 Künstler zusammengearbeitet haben, spannend fand. Wow, ein Film aus Ölgemälden, das wird toll. Dachte ich. Und der Anfang mit sich wandelnden Landschaftsaufnahmen war großartig. Bis die ersten Porträtgemälde erschienen. Nach fünf Minuten stöhnte meine Sitznachbarin: „Das ist ja furchtbar“. Da dachte ich noch, es braucht wohl etwas Zeit, sich einzusehen. Schließlich ist der Film mehrfach ausgezeichnet.

Die Handlung ist eine Detektivgeschichte, in der der Sohn von Van Goghs bekanntemPostmeister versucht, die letzten Tage des Künstlers und die Umstände seines Todes zu ermitteln. Naturgemäß wird darin viel gesprochen, er sucht die relevanten Personen aus dem Leben des Künstlers auf, viele Porträts also. Die waren für mich ein echtes Problem. Das hat mit der Maltechnik van Goghs zu tun. Er legt bekanntermaßen Farbstriche nebeneinander, die sich erst mit einem gewissen Abstand des Betrachters in dessen Wahrnehmung zu Farben verbinden. Bei stillstehenden Bildern ist das kein Problem, bei sich bewegenden Landschaften funktioniert das auch. Bei Gesichtern allerdings weniger, weil sie ganz aus der Nähe betrachtet werden. Und da wirken sie schlicht – gestreift. Eine echte Mimik entsteht so nicht, jedenfalls war das mein Eindruck.

Meine Sitznachbarin hat nach einer Stunde das Kino verlassen. Ich habe ausgeharrt, weil die Geschichte eine Dynamik entwickelt und die Irritation über die Streifenporträts mit der Zeit etwas verblasste. Ich finde, es ist ein sehenswerter Film und wüsste gerne, wie andere Betrachter die visuellen Effekte empfunden haben.

Allerdings frage ich mich auch, ob wirklich alles in die modernen, sich bewegenden Genres verwandelt werden muss, oder ob nicht Gemälde als Kunstform schon wunderbar genug sind und ein Kulturgut, dass nicht zwanghaft modernisiert werden muss. Für mehr Infos und Eindrücke: die Film-Website.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.