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Happy Julbock

Gestern rief meine Mutter an. Bei ihr ist es einsam zur Zeit, keine Touristen, dafür Kälte und Wind. Doch ins Rheinland mag sie nicht kommen, obwohl sie mich gerne besucht. Ich glaube, eine gewisse Portion an Melancholie mit Blick über endlose Wasserflächen in ungewisse Fernen sind integraler Bestandteil der nordischen Seele. Obwohl der Blick in Västervik nicht endlos schweift. Bald schon bleibt er am gegenüberliegenden Ufer von Hasselö hängen.
Ich sehe Mama vor mir, in einer dicken, grob gestrickten Jacke aus weicher sandfarberner Wolle am Fenster hinter der Holzveranda sitzen, eine Kerze neben sich, Ulrik Uhlands erbaulichen Roman „Das Fräulein von Västervik“ auf dem Schoß. Ihr schwarzes Haar fällt ihr in langen Wellen auf die Schultern. Sie ist blasser als bei meinem letzten Besuch im September, wo sie mich noch auf dem langen Steg übers Wasser geschoben hat. Wir hatten Sonne auf unseren Gesichtern und abends jede Menge Sommersprossen.
Gestern erzählte sie mir, dass der Julbock in Gävle dieses Jahr noch nicht gebrannt hat. Das wäre mal eine Überraschung! Als Kind habe ich das riesige Strohtier einmal brennen sehen und hatte große Angst. Heute scheint es Volkssport zu sein, ihn anzuzünden. Noch steht er: http://www.visitgavle.se/sv/gavlebocken.

Mama, du fehlst mir. Aber ich muss mich auf meinen Jugendroman konzentrieren, kann nicht zu dir reisen.

 

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