Kreativität
Kommentare 2

„Folge deinem Pinsel“

Hin und wieder gönne ich mir trotz fortgeschrittenen Alters und intensiver Erfahrungen berufliche Weiterbildungen. Denn Neues bringt mich immer weiter. Dachte ich mir auch bei der letzen Weiterbildung. Bis ich feststellte, dass das Neue gar nicht neu war. Es ging um prozesshaftes Malen, und ich erhoffte mir von den neuen Erfahrungen eine Beflügelung auch meiner Ideen als Schreibende.

In dem Seminar begegnete ich künstlerischen Ausdrucksformen und Erfahrungen, die lange in meinem Schul-Wasserfarbkasten verklebt waren, weggeschlossen in der untersten Schublade meines Schrankes und abgesackt in die hintesten Ecken meines Bewusstseins. Es waren keine wirklich unangenehmen Erinnerungen, aber auch keine anregenden. Eher dominierte das Gefühl: Na ja, den Urschleim habe ich doch wohl überwunden. Soll ich jetzt wirklich noch einmal alle archaischen Bilder hochkochen (lassen)?

Kürzlich las ich ein Interview mit dem Musiker Richard Bargel, der über die Kölner Werkschule im Jahr 1968 berichtet:

„Alle kamen sich als große Künstler vor, und alle zeichneten Penisse. Das war die große Sache damals, Penisse und Scheiden zu malen und davon Modelle zu fertigen. Das fand ich nicht gut.“

Ich fand es auch nicht gut, als mir in dem Kurs meine „größten Tabus“, vielleicht der Penis oder sexuelle Phantasien, möglicherweise mit Kindern, als Anregungen für mein prozesshaftes, intuitives Malen vorgeschlagen wurden. „Folge einfach deinem Pinsel“, war die Aufforderung der Seminarleiterin. Gut, dass keine Männer dabei waren.

Ich musste schlucken und raus, an die Luft. Unter einem Baum mit Blick auf einen See kam ich zu mir und der Erkenntnis: Angebot und Bedürfnis passen nicht immer zusammen. Und meine Kreativität braucht Freiraum. Eindeutig! Wie ist es bei euch?

2 Kommentare

  1. Schade, wenn die erhoffte kreative Bereicherung dann doch eher eine Abschreckung darstellt. Aber zum Glück gibt es ja auch wirklich großartige Inspirationen. Ich wünsche dir tausendfach positivere Erfahrungen…

    • Liebe Mila,
      danke für dein Mitgefühl. Dies war tatsächlich die einzige negative Erfahrung im Kunstbereich, und letztlich hat sie mich doch auch weiter gebracht.
      Liebe Grüße
      Tess

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.